Technik und Traktoren in Gennersbrunn

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Cyril Tappolet prüft den Weizen

Technik und Landwirtschaft gehören für Cyril Tappolet zusammen. Ob Ackerbau oder Pouletmast – überall auf dem traditionsreichen Hof in Gennersbrunn kommen smarte Technologien zum Einsatz. Das erleichtert die Arbeit, steigert die Effizienz und schont zugleich Ressourcen und Umwelt.

Seit jeher geht Familie Tappolet mit der Zeit. «Schon meine Grosseltern haben moderne Maschinen wie Mähdrescher und Traktor auf den Hof geholt», erzählt Cyril Tappolet. Heute führt der 46-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Zara den Hof in Gennersbrunn in fünfter Generation. Sein Ururgrossvater hatte 1878 den 1745 erbauten Hof gekauft. «Mussten früher 50 Leute bei der Ernte mit anpacken, machen wir jetzt alles zu zweit». Dank Technik, die überall auf dem Hof zum Einsatz kommt. Seine 50 Hektar Ackerland bestellt und erntet Cyril Tappolet ganz allein – unterstützt nur von hochmodernen Traktoren und smarten Maschinen wie zum Beispiel einem Düngerstreuer. Dieser kann erkennen, ob und wie viel Dünger die ­heranwachsenden Pflanzen brauchen. Die Maschine nutzt dazu verschiedene Daten. «Wir machen bei einem Forschungsprojekt des Bundes zum Thema Düngemittel und Stickstoff in der Landwirtschaft mit», erläutert Tappolet. Dabei würden verschiedene Messmethoden getestet und verglichen, um herauszufinden, wie sich der Düngebedarf am besten berechnen lässt. Neben einer Analyse des Bodens auf Feuchtigkeit und Nährstoffgehalt würden zum Beispiel auch vom Satelliten aus die Blattfarbe der Pflanzen bewertet, um ihren Nährstoffbedarf zu beurteilen. Während Tappolet über den Acker fährt, zeigt ihm das Display im Traktor genau an, wo und wie viel Dünger ausgebracht wurde.

Frisch geschlüpfte Küken

Gut für Pflanzen und Umwelt

Mithilfe dieser smarten Technologie wachsen nicht nur die Pflanzen besonders gut, sie spart auch Dünger und damit Kosten und schont zudem die Umwelt. Da Düngemittel viel Stickstoff enthalten, können überdüngte Böden das Grundwasser mit Nitrat belasten oder in Form von Ammoniak sensible Ökosysteme zerstören.

Auch die Aufzucht der Küken für die Poulet­mast der Familie Tappolet läuft grösstenteils vollautomatisch. Neben dem geräumigen Hühnerstall befindet sich der Technikraum. Von hier aus lassen sich neben der Futter- und Wassermenge für die bis zu 17 000 Tiere auch die Temperatur, Luftfeuchte oder der CO2-Gehalt regeln und überwachen. Tappolet kann auch jederzeit von Handy oder Tablet auf die Daten zugreifen. «Nur das Ausmisten machen wir noch von Hand», meint er schmunzelnd. Weitere wichtige Aufgaben, die bislang keine Maschine übernehmen kann, sind die tägliche Betreuung der Hühner und die Beurteilung ihres Gesundheitszustands. «Wir schauen mehrfach täglich nach den Tieren, um zu sehen, wie es ihnen geht und ob sie sich wohlfühlen.»

Die Schaltzentrale der Pouletmast

Technik für den Bauernhof

Dass der Hof technisch auf dem neusten Stand ist, kommt nicht von ungefähr. Neben der Technikbegeisterung ist es bei Familie Tappolet Tradition, dass die nachfolgende Generation zunächst einen Beruf ausserhalb der Landwirtschaft erlernt. Erst wenn die Kinder eine Ausbildung abgeschlossen und mehr von der Welt ausserhalb des Hofs gesehen haben, entscheiden sie sich für oder gegen die Übernahme des landwirtschaftlichen Betriebs. So absolvierte Cyril Tappolet zunächst ein IT-Studium und arbeitete in der Softwareentwicklung. Sein Vater vor ihm hatte eine kaufmännische Ausbildung, der Grossvater wiederum war gelernter Mechaniker.

Ob und welches der drei Kinder von Zara und Cyril Tappolet künftig den Hof ­übernehmen wird, ist daher auch noch offen. Während die älteste Tochter bei der Grenzwacht arbeitet, die mittlere eine Lehre als Bäcker-Konditorin absolvierte und nun in der Videoproduktion arbeitet, ist der jüngste in der Ausbildung zum Koch.

Moderne Energieversorgung

Bis feststeht, wer eines Tages den Hof weiterführen wird, setzt Tappolet auf die Einführung weiterer Technik. Vor allem die Energieversorgung wird in Zukunft eine immer grössere Rolle spielen. Der Strom für den gesamten Betrieb kommt bereits von einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Hühnerstalls. «Wir erzeugen sogar erheblich mehr Strom als wir benötigen, den wir ins Stromnetz einspeisen». Die Wärme wird durch eine Holzschnitzelheizung erzeugt. Nur der Stall wird aktuell noch mit Flüssiggas geheizt. Tappolet testet aber, ob die Umstellung auf eine Pelletheizung aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz möglich wäre.

Für die Landwirtschaft sieht er zudem viel Potenzial im Bereich Robotik. Roboter könnten rund um die Uhr im Einsatz sein und vor allem bei der Unkrautbekämpfung helfen. Weltweit seien Landtechnikkonzerne am Forschen und würden erste Erfahrungen in der Praxis sammeln.

Inken De Wit

Zukunft der Landwirtschaft in Schaffhausen

Von Christoph Graf, Präsident des Schaffhauser Bauernverbands

Der Kanton Schaffhausen ist ein Ackerbaukanton. Er liegt in einem klimatisch günstigen Gebiet, das sich bestens dafür eignet. Die zunehmenden Trockenperioden im Frühjahr oder Sommer stellen den Ackerbau allerdings vermehrt vor Herausforderungen. Gleichzeitig begünstigen diese Bedingungen den Rebbau und stärken diesen Wirtschaftszweig in unserem Kanton.

Grundsätzlich setzen immer mehr Bäuerinnen und Bauern auf ökologische Massnahmen, um die Biodiversität zu fördern. Fast vergessene Getreidesorten wie Emmer, Dinkel oder Einkorn kamen dadurch zurück in unseren Kanton. Die Biodiversitätsförderflächen nehmen stetig zu, allerdings werden auch die Auflagen immer höher. Ob diese Richtung in Zukunft noch zu verantworten ist, bleibt bei der momentanen Entwicklung fraglich. Die Schweiz ist stark von Importen abhängig; der Selbstversorgungsgrad liegt bei knapp über 50%. Wie schnell es zu Versorgungsengpässen kommen kann, haben wir während der Corona-­Pandemie erlebt. Der Konflikt in der Ukraine verdeutlicht erneut, wie schnell es gehen kann, bis eine stetige Lebensmittelversorgung nicht mehr sicher ist.

Ich wünsche mir daher, dass die produzierende Landwirtschaft in der Schweiz wieder mehr Wertschätzung erfährt. Diese ist leider in den vergangenen Jahren verloren gegangen. In dieser Beziehung muss ein Umdenken stattfinden.

«Die zunehmenden Trockenperioden im Frühjahr oder Sommer stellen den Ackerbau vermehrt vor Herausforderungen.»