Die Ermöglicherin

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Susanne Müller - Bildcredits: Tabea Hablützel (Tabea Production)

Mit kleinen Dingen Grosses leisten – das ist die Stärke von Susanne Müller. Als Geschäftsführerin des Verbands der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden sensibilisiert sie die Mitarbeitenden im Umgang mit Energie und engagiert sich privat im Schaffhauser Club von BPW für Frauen.

«Energie heisst für mich» – was antworten Sie spontan?
Susanne Müller: Energie zu haben ist für mich eine kostbare Ressource und wichtige Lebensgrundlage. Meine Lebensenergie treibt mich an, durch sie kann ich wirken und bewirken. Ich kann mich für Dinge einsetzen, die mir wichtig sind, und sie aktiv mitgestalten und versuchen, andere zu empowern.

Und dann ist Energie auch – grösser betrachtet – eine Kraft, ein Antrieb sowie Licht- und Wärmequelle.

Als Mitglied und langjährige Co-Präsidentin des Schaffhauser Clubs von BPW (Business and Professional Women) engagieren Sie sich für die wirtschaftliche und politische Teilhabe von Frauen. Gehen Frauen mit dem Thema Energie anders um als Männer?
Für mich ist der Umgang mit dem Thema Energie keine geschlechterspezifische Frage. Es hat aus meiner Sicht viel mehr mit persönlichen Werten und der eigenen Haltung zu tun, wie jede und jeder mit dem Thema Energie umgeht. So erlebe ich das auch bei uns im BPW. Wir sind sehr divers unterwegs. Jede Frau, die Mitglied bei BPW ist, hat ihren ganz persönlichen Hintergrund. So gibt es nicht «die BPW». Aber wenn wir miteinander diskutieren, Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, gemeinsam nach konstruktiven und tragfähigen Lösungen suchen, und uns untereinander vernetzen und unterstützen, dann entsteht eine grosse Kraft, die mich immer wieder fasziniert.

Wie stehen Sie zum Aspekt der Klimagerechtigkeit? Vor allem Frauen und Kinder im globalen Süden sind ja von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen.
Klimagerechtigkeit ist ein sehr wichtiges Thema. Ich gebe offen zu, dass es mich manchmal aufgrund seiner Komplexität und Dimensionen ohnmächtig macht. Es bringt einen an den Rand der Überforderung, wenn man darüber nachdenkt, wie wir – jede und jeder von uns – auf der einen Seite Emissionen drastisch und zügig verringern und auf der anderen Seite die Lasten der Folgen des Klimawandels gerechter verteilen können.
Dann merke ich, wie ich dieses grosse Thema für mich hinunterbrechen muss und mich dort engagiere, wo es für mich im Kleinen möglich ist. Zum Beispiel unterstütze ich gerne Frauen-Projekte im Bereich Bildung oder Ausbildung. Oder fördere Frauen beim Aufbau und der Umsetzung einer eigenen Geschäftsidee. Also bei der Hilfe zur Selbsthilfe.

«Für mich ist der Umgang mit dem Thema Energie keine geschlechterspezifische Frage.»

Beruflich sind Sie Geschäftsführerin des Verbands der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden in Schaffhausen. Wie steht es mit dem Thema Energie in den Kirchgemeinden? Viele Kirchengebäude stellen bestimmt eine grosse Herausforderung dar, oder?
Es ist tatsächlich so, dass die nachhaltige und ressourcenschonende Bewirtschaftung bei den von uns genutzten Gebäuden herausfordernd ist. Bei den von den Kirchgemeinden des Verbandes genutzten Immobilien gilt es zwischen den «eigenen», also den im Besitz des Verbandes befindlichen Immobilien, und den «fremden», in denen wir als Kirche das Hauptnutzungsrecht haben, zu unterscheiden. Zu den eigenen Immobilien des Verbandes zählen zum Beispiel das Hofackerzentrum, die Zwinglikirche, die Ochseschüür, das Kirchgemeindehaus am Münsterplatz 32 oder das Pfarrhaus an der Stokarbergstrasse. Fremde Immobilien sind die vier Kirchen St. Johann, Münster, Steig und Buchthalen – allesamt im Besitz der Stadt Schaffhausen. Hier regelt eine Leistungsvereinbarung die Nutzung und die Verteilung der Kosten – die Stadt als Eigentümerin ist verantwortlich für das Thema Energie.

Zur Person

Portraitfoto von Susanne Müller

Name: Susanne Müller
Funktion: Seit 2009 Geschäftsführerin
Verband evang.-ref. Kirchgemeinden
in der Stadt Schaffhausen und Mitglied im BPW Club Schaffhausen
Wohnort: Nohl (Gemeinde Laufen-Uhwiesen)
Alter: 52 Jahre
Familie: verheiratet

Beim Verband sind es also nicht vornehmlich Kirchengebäude, sondern vielmehr die Betriebsliegenschaften, bei denen wir laufend daran sind, über energetische Verbesserungsmassnahmen zu diskutieren. Da viele unserer Liegenschaften denkmalgeschützt sind, ist die Erneuerung von Heizungsanlagen, die energetische Sanierung oder der Anschluss an Wärmeverbunde oft herausfordernd.

Ganz wichtig ist es uns beim Thema Energie, auch die Mitarbeitenden für einen sorgsamen Umgang mit Energie zu sensibilisieren.

Wie gehen Sie privat mit Energie um?
Lokal einzukaufen, bei der Ernährung auf Regionalität und Saisonalität zu achten, ist mir als Bauerntochter wichtig. Zudem versuche ich bei der Kleidung auf nachhaltige Labels zu setzen und meine Kleider möglichst lange zu tragen oder ihnen zumindest ein zweites Leben zu schenken. Mein Mann und ich wohnen zudem im umgebauten, ehemaligen Kuhstall meines Elternhauses. Vor zwei Jahren haben wir gerade von einer etwas überdimensionierten Holzschnitzelheizung auf eine Luft-Wärmepumpe umgestellt.

Privat bin ich oft zu Fuss unterwegs, da es an meinem Wohnort keine direkte Anbindung an den ÖV gibt. Ferien und Freizeit verbringen mein Mann und ich meist in unserem zweiten Daheim in Parpan, oder wir entdecken die Schweiz, bisweilen auch Regionen innerhalb Europas. Aber zugegeben, im Bereich der Mobilität oder der Stromgewinnung besteht noch Entwicklungspotenzial.

Was ist Ihr persönlicher Tipp zum Energie-Tanken im übertragenen Sinn?
Ich bin ein aktiver, neugieriger und wissbegieriger Mensch. Ich führe gerne gute Gespräche, treffe mich mit Freunden und wir essen gemeinsam etwas. Auch bin ich oft in der Natur unterwegs, entdecke neue Orte und Regionen. Ich kann aber auch eine Auszeit geniessen oder ein gutes Buch lesen. – All das würde ich als meine persönlichen Energietankstellen bezeichnen.