Mann mit Weitblick

EKS ON! Bild zum Bericht: Mann mit Weitblick

Stabile und günstige Strompreise: Das ist das Ziel von Ramon Felder. Der Leiter Vertrieb Strom und Energiewirtschaft verantwortet unter anderem den Energieeinkauf bei EKS. Keine leichte Aufgabe, die sehr viel vorausschauende Planung erfordert.

«Wir kaufen unsere Energie grösstenteils am Markt ein, da wir nur über eine geringe Eigenproduktion verfügen», sagt Ramon Felder, Leiter Vertrieb Strom und Energiewirtschaft bei EKS. Entsprechend gut kennt sich Felder auf dem Energiemarkt aus. Seine Strategie: Er plant vorausschauend und langfristig. So kann er sicherstellen, dass EKS ihren Kundinnen und Kunden stets ausreichend Energie zu möglichst gleichbleibenden und günstigen Konditionen anbieten kann.

Ramon Felder (M.) im Austausch mit Seraina Wäschle und Emanuel Schlegel
Bildcredit: Patrick Stoll

Daten als Grundlage

Eine wichtige Grundlage für den Energieeinkauf sind die Verbrauchsdaten. «Ich muss wissen, wie viel Energie jeweils im vergangenen Jahr in welchem Kundensegment verbraucht wurde». Mit dem Einbau von intelligenten Stromzählern, sogenannten Smart Metern, bei den Kundinnen und Kunden werden diese Daten künftig noch präziser sein (siehe Seite 6). Hinzu kommen Faktoren wie langfristige Klimatrends oder der Zubau von erneuerbaren Energieanlagen. «Wenn immer mehr Kundinnen und Kunden selbst Energie produzieren, reduziert dies die Menge, die am Markt eingekauft werden muss.»

Zudem muss Ramon Felder stets wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen im Blick haben und auch den gesellschaftlichen Wandel berücksichtigen. Die steigende Zahl an E-Autos und die Zunahme energieintensiver Technologie wie zum Beispiel der Digitalisierung beeinflussen den Strombedarf. Ganz zu schweigen von solch einschneidenden Ereignissen wie dem Ukrainekrieg oder der Corona-Pandemie.

Es gilt die Zahlen nicht nur zu verstehen, sondern auch richtig zu intepretieren
Bildcredit: Patrick Stoll

Einkauf an der Strombörse

Anhand all dieser Daten erstellt der Energieexperte jeweils zu Jahresanfang eine Prognose für die kommenden drei Jahre, die bei Bedarf monatlich leicht angepasst wird. Eingekauft wird der Strom dann grösstenteils strukturiert und strategisch auf dem Terminmarkt für den mittel- bis langfristigen Horizont. «Kurzfristige Anpassungen erfolgen über den Spotmarkt», erklärt Felder. Die Preissetzung am Strommarkt funktioniere grundsätzlich nach dem Prinzip der Merit-Order, vereinfacht gesagt nach der Logik von Angebot und Nachfrage. «Das teuerste Kraftwerk, das benötigt wird, um den Bedarf zu decken, bestimmt den Strompreis.»

Neben dem Bedarf muss Ramon Felder die gesetzlichen Vorgaben genau kennen. Und gerade bei EKS ist dies kein leichtes Unterfangen; muss EKS doch die Regularien und Gesetze zweier Länder berücksichtigen. So gilt zum Beispiel in der Schweiz seit 2018 eine vollständige Deklarationspflicht für die an Endkunden gelieferte Energie mit Herkunftsnachweisen (HKN). HKN sind Zertifikate, die zeigen, mit welcher Erzeugungstechnologie die gelieferte Energie produziert wurde. Das muss dann jährlich in der Stromkennzeichnung ausgewiesen werden. Der deutsche Strommarkt ist wiederum vollständig liberalisiert. «Wir müssen damit rechnen, dass Kundinnen und Kunden uns verlassen oder neue hinzukommen. Beides macht Prognosen schwieriger und kostet mehr», sagt Felder.

Energie wird unter anderem an der Börse gehandelt
Bildcredit: Adobe Stock / REDPIXEL

Rechtliche und regulatorische Vorgaben

Neben den Kosten für den Energieeinkauf beeinflussen auch regulatorische Vorgaben den Strompreis. In der Schweiz ist EKS für die Grundversorgung in der Preisgestaltung und Tarifstruktur an Vorgaben der staatlichen Regulierungsbehörde Elcom gebunden. Gewinne, die über einem gewissen Schwellenwert liegen, müssen beispielsweise den Kunden in den folgenden drei Jahren in Form einer Kostenreduktion vergütet werden. Die Tarife werden jährlich durch die Elcom überprüft.

Mit Blick auf die Zukunft geht Energieexperte Ramon Felder davon aus, dass der Energieeinkauf an Bedeutung gewinnen wird. Die Dynamik des Energiemarkts habe im Zuge der Energiewende und der steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien zugenommen, so dass eine vorausschauende Strategie immer wichtiger werde. Die Anforderungen an Energieversorgungsunternehmen seien in den letzten Jahren stark gestiegen und würden weiter steigen.

Inken De Wit

Strom intelligent messen

Seraina Wäschle und Emanuel Schlegel präsentieren den neuen Smart Meter.
Bildcredit: Patrick Stoll

EKS rüstet um: Anstelle konventioneller Stromzähler werden intelligente Messgeräte, sogenannte Smart Meter, installiert. Ab Mitte 2023 sollen in den kommenden Jahren etappenweise rund 36 000 Smart Meter im Schweizer Versorgungsgebiet der EKS eingesetzt werden.

Smart Meter übermitteln Daten zum bezogenen und gelieferten Strom, ohne dass sie vor Ort abgelesen werden müssen. EKS hat damit einen zuverlässigen Überblick über den aktuellen Strombedarf, was beispielsweise die Energiebeschaffung erleichtert. Zudem können EKS Kundinnen und Kunden ihre Daten in Echtzeit am Zähler abrufen und künftig auch etwas zeitverzögert über das neue EKS Kundenportal ihre Tageswerte einsehen. Das Portal befindet sich aktuell in der Planungsphase.

«Die Smart Meter bedeuten mehr Komfort für unsere Kundinnen und Kunden», sagt Seraina Wäschle, EKS Projektleiterin Intelligente Messsysteme. So entfalle auch das alljährliche Ablesen der Zähler. Stattdessen werden die Messwerte einmal pro Tag vom Smart Meter an die EKS übermittelt. Die Verwendung der Daten untersteht dem Datenschutzgesetz.

Selbst Wartungen kann EKS mit geringem ­administrativem Aufwand vom Büro aus erledigen. «Unsere Kunden haben eine Übersicht zu ihrem eigenen Energienutzungsprofil», so Wäschle. «Und beim Zählerwechsel gibt es künftig dank im Smart Meter eingebauter Zählersteckklemme keinen Stromunterbruch mehr.»

Die Umstellung auf Smart Meter ist in der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben. Bis 2027 müssen alle Schweizer Energieversorger auf Smart Meter umrüsten. In Deutschland ist die Gesetzgebung anders. Konventionelle Zähler werden schon seit 2016 kontinuierlich gegen Smart Meter ausgetauscht.

Mehr Informationen zum EKS Smart Meter Rollout